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Der Nachbau

Die Wiedergeburt

Zwei der Lokomotiven, welche ganz am Anfang der deutschen Eisenbahngeschichte standen, blieben uns – wenigstens als Nachbauten – erhalten. Neben dem Nachbau des englischen ADLER, den die Deutsche Reichsbahn Gesellschaft (DRG) zum Jubiläum „100 Jahre Deutsche Eisenbahnen“ im Jahre 1935 anfertigen ließ und der noch 50 Jahre später die große Fahrzeugparade der Deutschen Bundesbahn (DB) in Nürnberg zum Jubiläum „150 Jahre Deutsche Eisenbahnen“ anführte, ist es der 1987/88 entstandene Nachbau der legendären SAXONIA, die 1989 in Riesa den Höhepunkt der großen Fahrzeugparade der Deutschen Reichsbahn (DR) zum Jubiläum „150 Jahre Erste Deutsche Fernbahn Leipzig – Dresden“ darstellte.

1985 fasste das Ministerium für Verkehrswesen der DDR den Beschluss, einen betriebsfähigen Nachbau der SAXONIA anfertigen zu lassen. Das Ziel lautete, ihn anlässlich des 150. Geburtstages der ersten deutschen Fernbahn Leipzig – Dresden der breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Zur Vorbereitung und Durchführung dieses Neubaus bildete man eine Ingenieurtechnische Arbeitsgruppe unter Leitung des Dipl.-Ing. Heinz Schnabel von der damaligen Hauptverwaltung Maschinenwirtschaft der DR, der das Projekt auch maßgeblich initiiert hatte. So entstand die SAXONIA im Auftrag der DR in enger Anlehnung an das Original, zugleich aber  unter Anwendung moderner Fertigungstechniken, während der Jahren 1987/88 zum zweiten Mal. In dieser Gemeinschaftsaufgabe von mehreren Dienststellen der DR mit anderen Betrieben undEinrichtungen übernahmen Spezialisten der Dresdner Hochschule für Verkehrswesen „Friedrich List“ und der Ingenieurschule für Verkehrstechnik „Erwin Kramer“ sowie des VEB Dampfkesselbau Dresden-Übigau die konstruktive Durchbildung aller Bauteile und die technische Dokumentation. Da man zu Zeiten der SAXONIA noch keine Fotografie kannte und auch andere Abbildungen nicht verfügbar waren, konnten sich die Ingenieure bei der Erstellung der Zeichnungen nur auf eine einzige originale Blaupause stützen, die noch im Verkehrsmuseum München existierte. Das Herz der Lokomotive, der Kessel, entstand im VEB Dampfkesselbau Dresden-Übigau, dort wo schon 150 Jahre zuvor das Original der SAXONIA gebaut wurde. Den kompletten Tender fertigte das Bahnbetriebswerk (Bw) Neustrelitz an. Weitere Zulieferer wesentlicher Bauteile waren die Bw Berlin-Pankow, Weißenfels, Halle-P, Dresden, Oebisfelde sowie Schwerin und nicht zuletzt das Rationalisierungsmittelwerk der DR in Wilsdruff . Die Federführung und Endmontage erfolgte im Reichsbahnausbesserungswerk (Ra) Halle/S.

Nach etwa einem Jahr Bauzeit, manch schlafloser Nacht und der Lösung zahlreicher Detailprobleme stand die die neue SAXONIA am 01.10.1988 erstmals unter Dampf und konnte nur 14 Tage später bei einer Probefahrt von Halle nach Eisleben ihre volle Funktionsfähigkeit unter Beweis stellen. Am 08.04.1989 eröffnete sie schließlich die große Fahrzeugparade zum 150jährigen Bestehen der Leipzig-Dresdener Eisenbahn.

Nach zahlreichen Einsätzen und Ausstellungen wurde die SAXONIA 2008 im Dampflokwerk Meinigen generalüberholt. Ihr Eigentümer ist heute das DB-Museum in Nürnberg. Die Betreuung und Pflege liegt seit vielen Jahren in den Händen der BSW-Freizeitgruppe „Historische Fahrzeuge im Betriebshof Leipzig – Süd“. Vor allem ihren aktiven Mitgliedern ist es zu verdanken, dass wir den Nachbau der ersten deutschen Lokomotive nicht nur ausgestellt in einem Museum, sondern in voller Funktion und bestem Zustand erleben dürfen.                                                                                       Text: Michael Kurth

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Bergbahnfest

2009